
Sabine Lutzius
Geschäftsführende Gesellschafterin, Wirtschaftspsychologin (M.A.)
Der Wunsch nach mehr Frauen im Vorstand ist nicht neu – auch nicht in der Kreditwirtschaft. Für den Weg an die Spitze braucht es jedoch eine bewusste Reflexion und Positionsbestimmung. Dass Vorstandseignung nicht zufällig entsteht, sondern gezielt entwickelt werden kann, zeigte Sabine Lutzius im April in ihrem Workshop beim Symposium „Frauen im Sparkassenmanagement“ der Sparkassenakademie Nordrhein-Westfalen. Anhand konkreter Fragestellungen machte sie deutlich, wie Frauen ihren Weg in den Sparkassenvorstand strategisch vorbereiten und aktiv gestalten können.
Klarheit schafft dabei einerseits die Auseinandersetzung mit den eigenen Motivatoren, um für sich bestimmen zu können, ob man eine Vorstandsposition mit ihrer umfassenden Verantwortung tatsächlich anstrebt, und andererseits der unverstellte Blick auf den Besetzungsprozess, in dem Personalberatung und Gremium unterschiedlich gewichtete Erwartungen an Kandidatinnen haben.
Vom Potenzial zur Vorstandseignung: Drei zentrale Fragen
Wer eine Vorstandsfunktion ins Auge fasst, sollte sich zunächst offen und ehrlich mit sich selbst auseinandersetzen. Nicht jede gute Führungskraft ist automatisch bereit für eine Vorstandsrolle. Entscheidend sind drei grundlegende Fragen:
- Was motiviert mich, Vorständin zu werden?
Geht es um Wirkung, Gestaltungsspielraum, Verantwortung oder um Status? - Was bin ich bereit zu investieren?
Vorstandsfunktionen verlangen großes Engagement und die Bereitschaft, unter Umständen den eigenen bzw. den Lebensmittelpunkt der gesamten Familie zu verlegen. - Möchte ich jederzeit und umfassend Verantwortung tragen?
Vorstandstätigkeit in einem Regionalinstitut bedeutet immer und überall, also auch in Freizeit und am Wochenende, als Vorständin wahrgenommen zu werden.
Diese innere Klarheit ist der erste Schritt auf dem Weg zur sogenannten Executive Readiness, einer realistischen Einschätzung der eigenen Bereitschaft für eine Vorstandsrolle.
Executive Readiness: Klarheit, Sichtbarkeit, Wirkung
Klarheit bildet die Grundlage jeder Vorstandsambition. Wer eine Vorstandsfunktion anstrebt, muss sich über eigene Motivatoren, Werte und persönliche Grenzen im Klaren sein. Vorstandstätigkeit bedeutet unternehmerische Gesamtverantwortung, permanente Entscheidungsfähigkeit und hohe öffentliche Präsenz.
Sichtbarkeit entscheidet darüber, ob und wie Anwärterinnen wahrgenommen werden. Gute Leistung allein reicht selten aus. Entscheidend ist, wo und wie strategisches Potenzial sichtbar wird: im eigenen Haus, über ressortübergreifende Verantwortung, in relevanten Netzwerken oder durch gezielte Marktpräsenz.
Wirkung entsteht dort, wo Persönlichkeit, Kompetenz und Haltung zusammenfinden. Authentizität sowie die Fähigkeiten, Komplexität zu reduzieren und mit verschiedenen Bezugsgruppen wirkungsvoll zu kommunizieren, sind wesentliche Kriterien in der Beurteilung von Vorstandskandidatinnen.
Transparente Auswahl statt Black Box
Professionelle Vorstandssuchen folgen klaren Strukturen. Briefing, systematische Suche, fundierte Eignungsdiagnostik und eine begleitete Entscheidungsfindung sorgen für Vergleichbarkeit und Qualität. Persönlichkeitsmerkmale und Führungspotenziale werden dabei ebenso geprüft wie fachliche Expertise.
Kandidatinnen (wie Kandidaten) profitieren, wenn sie die unterschiedlichen Erwartungshorizonte im Auswahlprozess kennen:
Personalberater:innen legen großen Wert auf fachliche Aspekte, Persönlichkeit und erfahrungsreiche Werdegänge, die nicht zwangsläufig linear sein müssen. Hier überzeugen Kandidatinnen mit konkreten Beispielen und Selbstreflexion.
Verwaltungsräte haben meist deutlich weniger Zeit. Entscheidend sind Prägnanz, Haltung, Vision und das klare Zielbild für das Institut. Wenige, aussagekräftige Beispiele wirken hier stärker als Detailtiefe.
Wer diese Unterschiede kennt, kann sich gezielt vorbereiten und souverän auftreten.
Fazit
Der Weg in den Sparkassenvorstand ist anspruchsvoll, aber gestaltbar. Frauen, die ihre Executive Readiness systematisch entwickeln und sichtbar machen, stärken ihre Positionierung erheblich. Mit innerer Klarheit, gezielter Sichtbarkeit und authentischer Wirkung lässt sich Vorstandseignung nicht nur entwickeln, sondern überzeugend zeigen.